Gemüsestand Rohlmann auf dem Wochenmarkt Gemüsestand Rohlmann auf dem Wochenmarkt
Foto: Kräuter Rohlmann

Nachhaltig & Regional

Ein Kräutersegen vom Lande

Historische Fotos belegen es: Die Vorfahren von Maike Rohlmann waren schon mit einem Stand in Münster vertreten, als der Wochenmarkt noch auf dem Prinzipalmarkt abgehalten wurde. Damals wechselte ein kleines Sortiment an saisonalem Gemüse den Besitzer, zünftig aus Körben angeboten. In vierter Generation führen heute Maike und Henry Rohlmann den Betrieb von Maikes Familie weiter, sie übernahmen ihn von Christine und Paul Rohlmann, die den Hof von Christines Eltern weitergeführt hatten. Seit knapp 10 Jahren haben die jungen Leute hier das Heft in der Hand – und jede Menge Arbeit. Als Spezialbetrieb für Kräuter und Gemüsepflanzen mit 1500 qm Gewächshausfläche und 10 Hektar Freiland ackern sie für die Direktvermarktung ihrer Produkte in der eigenen Gärtnerei, im Hofladen und auf dem Wochenmarkt (neben mittwochs und samstags in Münster auch noch donnerstags in Telgte).

Eheleute Rohlmann Foto: Britta Heithoff
Kräuter- und Gemüsebauern aus Überzeugung: Maike und Henry Rohlmann führen das Familienunternehmen mit Herz und Hand (und letztere steckt meist irgendwo in der Wolbecker Erde).

Wenn am Markttag früh um 4.30 Uhr der Wecker klingelt, dann muss „nur noch“ der Wagen gepackt werden und los geht es. Henry Rohlmann darf erst um 6 Uhr auf den Domplatz auffahren, ein Reißverschlusssystem regelt die minutiöse Platzierung der Wagen in den Reihen. Gegen 8 Uhr ist dann der zwei Dutzend Meter lange Verkaufsstand perfekt angerichtet und die Mitarbeiter des jeweiligen Markttages beginnen, ihre große Kundenschar glücklich zu machen. Die Kunden wissen, warum sie kommen. Sie erkennen die Güte des Rucola aus Eigenanbau, schätzen die ungewöhnlicheren Salatsorten, begeistern sich für Kulturen wie die Rohlmannschen Artischoken und schwärmen für die außergewöhnlich große und vielfältige Kräuterauswahl – aus eigenem Anbau stammen hier mehrere hundert verschiedene Sorten Kräuter, Salate und Gemüse. Allein acht bis zehn Sorten Thymianpflanzen äußerst robuster Natur wegen der Überwinterung im nicht geheizten Treibhaus: Die Vielfalt und Expertise ist schon sehr beeindruckend. Rohlmanns selbst sind Fans ihres australischen Zitronenblatts (etwa für Limonaden!), sie lieben den Peruanischen Sauerklee, die Gewürztagetes, ihre bis zu 18 Sorten Minze, die Wasabirauke und den Pinienrosmarin, das Lieblingskraut von Jungbauer Henry.

„Ich hasse Unkraut!“ Henry Rohlmann zieht seine Kulturen ressourcenschonend auf Folienflächen mit Saatlöchern.

Neben den Kräuterkulturen wird natürlich auch Gemüse angebaut: Im Winter wird etwa Wirsing, Rotkohl, Porree, Grünkohl und Feldsalat in rauen Mengen geerntet (und wenn es den „eigenen“ Rohlmannschen Feldsalat im Frühling nicht mehr gibt, dann erkennen das die Kunden mit bloßem Auge), im Frühjahr folgen Rhabarber, Fenchel, Staudensellerie, Erbsen, Kohlrabi, vier Sorten Zucchini, Mangold, Spinat und gut zehn Sorten Salat. Auch hier gerät Rohlmann ins Schwärmen: „Haben Sie unseren Salanova Crisp schon mal probiert?“ Er blättert auf seinem Smartphone Reihen Salatfotos auf, stolz und glücklich, so, wie andere Urlaubsfotos blättern. „Salatschneiden“ gehört tatsächlich zu seinen Lieblingsbeschäftigungen auf dem großen Hof. 

Foto: Kräuter Rohlmann
Amandio Cavallo ist festangestellter Gärtner auf dem Hof. Er teilt die Leidenschaft der Rohlmanns für saisonale, regionale, ungespritzte Qualität. Während Sie dies hier lesen, legt er vielleicht gerade die Kürbissamen für den Herbst in die gute Wolbecker Erde.

Vor einigen Jahren hat er diesen gemeinsam mit seiner Frau modernisiert und für die Zukunft aufgestellt: Die Kräuter werden auf Rinnentischen mit Fließbewässerung im geschlossenen Kreislauf kultiviert und präsentiert, dadurch entsteht eine bessere Durchlüftung und Pilz- und Schädlingsbefall werden minimiert, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist dadurch praktisch überflüssig. Weiterer Vorteil der Anlagen: Wasserrückgewinnung, das verwendete Wasser wird aufgefangen, gereinigt und wieder eingesetzt. Zudem profitiert der Kunden von der Griffhöhe der Rinnentische beim Aussuchen und Einkaufen. 

Rohlmanns haben es gern ordentlich. Das sieht man auch den gut gepflegten Äckern an, das spürt man im Hofladen, in dem neben den eigenen Produkten auch andere regionale Schätze, unter anderem für Direktvermarktungskisten und Präsentkörbe, angeboten werden. Seit einiger Zeit summen besonders viele Bienen über den Blüten der Rohlmannschen Pflanzen, ein Imker hat hier seine Völker angesiedelt. Ein Miteinander wie im Bilderbuch, besonders, weil schon die fünfte Generation der Rohlmanns Feuer gefangen hat für das Ackern auf dem Land. Lina und Lasse (und demnächst wahrscheinlich auch der kleine Mika) sind schon mächtig aktiv, wenn es um die Handgriffe wie wässern, säen und ernten geht. Manchmal überholen sie die Eltern auch schon auf ihre Weise: Dann besorgen sie sich das Gemüse vom Feld und greifen die Kunden des Hofladens mit „ihren“ Waren auf einer Decke sitzend einfach schon ab, bevor diese bei den Eltern einkaufen können. Ganz schön „bauernschlau“, diese sonnigen Kinder vom Rohlmannschen Hof.

Foto: Kräuter Rohlmann
Die Aufgaben auf dem Hof sind vielfältig. Im Sommer ist es eine Sieben- Tage-Woche, besonders, weil Pflanzen „immer Durst haben, auch sonntags“. Und Gärtnern macht Spaß! Das gilt für alle Generationen.

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